Auf einem Felsen hoch über dem Ebro erhebt sich die Burg Miravet — eines der am besten erhaltenen Beispiele romanisch-militärischer Templerarchitektur in Europa. Ihr arabischer Name — vom Wort murābiṭ, was so viel wie Wachturm bedeutet — verweist auf ihre Ursprünge als maurische Grenzfestung, die im 9.–10. Jahrhundert errichtet wurde, um den wichtigen Ebro-Übergang zu sichern.
Ramon Berenguer IV., Graf von Barcelona, eroberte Miravet 1153 im Zuge der christlichen Reconquista und überließ die Burg sofort den Tempelrittern. Diese bauten sie in den folgenden Jahrzehnten zu der mächtigen Festung aus, die heute noch steht. Unter den Templern wurde Miravet zu einem ihrer bedeutendsten iberischen Stützpunkte — eine befestigte Kommende und Verwaltungszentrale für die umfangreichen Ländereien des Ordens in Südkatalanien.
Das Ende der Templerzeit verlief dramatisch. Als König Philipp IV. von Frankreich 1307 die Verhaftung aller Templer in Europa anordnete, weigerten sich die Ritter von Miravet zu kapitulieren. Mehr als ein Jahr lang hielten sie stand, bevor sie sich schließlich 1308 König Jakob II. von Aragon ergaben — eine der letzten Templerburgen der Iberischen Halbinsel, die fiel.
Nach der Auflösung des Ordens ging Miravet an die Johanniter über. Bemerkenswert gut erhalten zeigt sich die Burg heute fast so, wie die Templer sie hinterließen: eine vollständige romanische Apsis, Gewölbesäle, ein Arkadeninnenhof und die mächtigen Mauern, die einer königlichen Belagerung mehr als ein Jahr lang standhielten.
Ein besonderes Erlebnis jedes Besuchs ist die barca de pas, eine traditionelle Seilfähre, die noch heute den Ebro unterhalb der Burg überquert — eine der letzten handbetriebenen Fähren Kataloniens.